Reisebericht von Claudia Leimgruber Müller
23. Juli bis 2. August 2026
Bevor wir unsere Umrundung Spitzbergens an Bord der Le Lyrial von PONANT in Angriff nahmen, stimmten wir uns während zweier Tage in Oslo auf unsere Reise in den hohen Norden ein. Nach der Ankunft führte unser erster Weg zur berühmten Holmenkollen-Sprungschanze. Bei sommerlichen Temperaturen, Kaffee und einer typisch norwegischen Zimtschnecke genossen wir den herrlichen Blick über Oslo und den Oslofjord. Kaum vorstellbar, dass hier schon wenige Monate später wieder tiefster Winter herrschen wird.
Natürlich durfte auch ein Spaziergang durch den beeindruckenden Vigeland-Park nicht fehlen. Den ersten Tag liessen wir stilvoll im Rooftop-Restaurant des MUNCH Museums mit Blick über den Oslofjord ausklingen.
Am zweiten Tag erkundeten wir Oslo zu Fuss. Von der Karl Johans gate mit dem Königsschloss über das Rathaus bis hin zur modernen Oper und der eindrucksvollen Deichman-Bibliothek zeigte sich die norwegische Hauptstadt von ihrer schönsten Seite. Am späten Nachmittag brachte uns der Flug nach Longyearbyen, dorthin, wo die Sonne während unseres gesamten Aufenthalts nie mehr untergehen sollte.
Bis zum Einschiffen genossen wir den Aufenthalt in der gemütlichen Funken Lodge, unternahmen erste Spaziergänge durch Longyearbyen, besuchten das berühmte Eisbären-Warnschild und staunten über das überraschend vielfältige Einkaufsangebot der nördlichsten Kleinstadt der Welt.
Am Nachmittag bezogen wir unsere Kabinen auf der eleganten Le Lyrial. Pünktlich um 20.00 Uhr hiess es: Leinen los.
Der erste Vormittag an Bord stand ganz im Zeichen unseres neuen Zuhauses auf Zeit. Da es sich um eine Expedition handelte, erhielten wir ausführliche Einweisungen zu den Zodiac-Anlandungen, den Sicherheitsvorschriften in der Arktis sowie zur richtigen Ausrüstung. Als besonderes Andenken erhielt jeder Gast zudem eine warm gefütterte Expeditionsjacke.
Am Nachmittag glitten wir durch den eindrucksvollen Kongsfjord, einen rund 25 Kilometer langen Fjord an der Westküste Spitzbergens. Gewaltige Gletscher, schroffe Berge und zahlreiche Seevögel machten bereits die erste Fahrt zu einem eindrucksvollen Naturerlebnis. Anschliessend erreichten wir Ny-Ålesund, eine der nördlichsten dauerhaft bewohnten Siedlungen der Erde und ein internationales Forschungszentrum. Hier konnten wir als einziges Mal während der Reise direkt am Pier anlegen, alle weiteren Landgänge erfolgten mit den Zodiacs.
Bereits am nächsten Morgen wartete die erste Zodiacfahrt auf uns. In Fugleholmen begegneten wir den ersten mächtigen Gletschern der Reise. Papageientaucher, Gryllteisten und Dickschnabellummen bevölkerten die steilen Vogelfelsen und sorgten für faszinierende Naturbeobachtungen. Am Nachmittag folgte die erste Anlandung in Frambukta. Die gewaltigen Gletscherzungen, die direkt bis ans Meer reichten, liessen uns ehrfürchtig staunen. Die unberührte Landschaft vermittelte eindrücklich, wie klein der Mensch in dieser arktischen Welt ist.
Ein absoluter Höhepunkt erwartete uns am folgenden Tag: das Packeis. Mit den Zodiacs erkundeten wir die faszinierende Eislandschaft auf dem 80. Breitengrad. Zwischen den Eisschollen ruhten Robben, während das Schiff langsam seinen Weg durch das Eis suchte. Manchmal brauchte es gar kein Programm, einfach an Deck zu stehen oder aus dem Fenster zu schauen genügte, um diesen einzigartigen Ort mit allen Sinnen zu erleben. Das persönliche Zertifikat, welches unseren Aufenthalt auf 80°50' Nord bestätigt, wird bei vielen von uns einen Ehrenplatz erhalten.
Eigentlich hätte am nächsten Morgen eine Zodiacfahrt entlang der spektakulären Vogelfelsen von Alkefjellet auf dem Programm gestanden. Die bis zu hundert Meter hohen Basaltklippen zählen zu den grössten Brutgebieten der Dickschnabellummen auf Spitzbergen. Doch die Natur hatte andere Pläne. Mehrere Eisbären wurden gesichtet und das Expeditionsteam änderte spontan den Tagesablauf. Niemand störte sich daran, im Gegenteil. Wir durften eine Eisbärin mit ihrem Jungtier beobachten und waren überglücklich. Bis zum Ende unserer Reise sollten wir insgesamt sechs Eisbären entdecken, ein aussergewöhnliches Glück.
Am Nachmittag landeten wir in Trollneset, einer flachen Landzunge an der Hinlopenstrasse. Hier erwartete uns eine grosse Walrosskolonie. Die scheinbar gemütlichen Riesen lagen dicht an dicht am Strand, während einzelne Tiere neugierig durchs Wasser glitten. Es war beeindruckend, diese mächtigen Meeressäuger aus respektvoller Distanz in ihrer natürlichen Umgebung beobachten zu dürfen.
Nach so vielen Höhepunkten dachten wir, dieser Tag könne kaum noch eindrucksvoller werden. Doch nach dem Abendessen fuhr die Le Lyrial bis unmittelbar vor den gewaltigen Sørefonna-Gletscher. Die mehrere Dutzend Meter hohe Eiswand leuchtete in den unterschiedlichsten Blau- und Weisstönen, während immer wieder kleine Eisbrocken unter lautem Donnern ins Meer stürzten. Ein magischer Moment, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.
An Ausschlafen war am nächsten Morgen allerdings nicht zu denken. Bereits um sechs Uhr morgens meldete sich der Kapitän persönlich über Lautsprecher: Eisbären voraus! Innerhalb weniger Minuten standen wir, noch vor dem Frühstück, begeistert an Deck und konnten erneut diese faszinierenden Tiere beobachten.
Später folgte eine Anlandung in Sudneset, einer einsamen Tundralandschaft mit ihrer typischen arktischen Vegetation. Moose, Flechten und kleine Blütenpflanzen trotzten den extremen Bedingungen und zeigten eindrücklich, wie vielfältig selbst diese raue Landschaft sein kann.
Am Nachmittag erreichten wir den mächtigen Negribreen, einen der grössten Gletscher Spitzbergens. Bereits die Fahrt dorthin war spektakulär. Immer wieder entdeckten wir Robben auf treibenden Eisschollen. Mit den Zodiacs fuhren wir anschliessend zwischen unzähligen Eisbergen hindurch bis nahe an die imposante Gletscherfront heran. Das leuchtend blaue Eis, die absolute Stille und die gewaltigen Dimensionen dieses Gletschers machten den Ausflug zu einem weiteren Höhepunkt unserer Reise. Und als wäre dies nicht genug, begleiteten uns am späteren Abend auch noch Wale.
Unser letzter voller Tag an Bord verlief etwas ruhiger, da das Schiff auf dem Rückweg einige Seemeilen zurücklegen musste. Gleichzeitig veränderte sich die Landschaft spürbar. Rund um Burgerbukta erwarteten uns tief eingeschnittene Fjorde, eindrucksvolle Gletscher und steile Bergflanken. Ein letztes Mal hiess es: Schwimmwesten anziehen, Zodiac besteigen und diese einzigartige Natur aus nächster Nähe geniessen.
Langsam wurde uns bewusst, dass sich unsere Reise dem Ende näherte. Doch eine Expedition endet bekanntlich erst, wenn das Schiff sicher wieder im Hafen liegt. Kurz vor Mitternacht sorgten deshalb zwei Buckelwale, die unser Schiff eine Zeit lang begleiteten, für einen würdigen Abschluss dieser aussergewöhnlichen Reise.
Nach einer Woche an Bord der Le Lyrial hiess es schliesslich Abschied nehmen. Perfekter Service, ausgezeichnete Küche, ein herzliches Expeditionsteam und unzählige unvergessliche Naturerlebnisse machten diese Reise zu etwas ganz Besonderem.
Zum Abschluss entdeckten wir nochmals die Sehenswürdigkeiten von Longyearbyen, besuchten das Svalbard Museum sowie das Samen-Depot und stiessen bei einem Champagner-Tasting in der Funken Lodge auf diese unvergessliche Reise an.
Fazit
Spitzbergen ist weit mehr als eine Reise, es ist ein Naturerlebnis, das unter die Haut geht. Gewaltige Gletscher, lautlos treibendes Packeis, faszinierende Tierbeobachtungen und die Magie der Mitternachtssonne machen diese Expedition zu einem unvergesslichen Abenteuer. Wer einmal die arktische Stille erlebt und Eisbären, Walrosse und Wale in ihrer natürlichen Umgebung gesehen hat, versteht, weshalb Spitzbergen zu den eindrucksvollsten Reisezielen unserer Erde gehört. Eine Reise zwischen Fjorden und Gletschern und definitiv ein weiterer Ort zum Glücklichsein.
Haben auch Sie Sehnsucht nach Eis bekommen? Dann freuen wir uns, Sie im Juli 2028 erneut auf unserer Expedition nach Spitzbergen willkommen zu heissen. Als besonderes Highlight bieten wir vom 30. Juli bis 12. August 2027 zudem eine neue Expeditionsreise von Island nach Grönland unter dem Motto «Expedition zum Rand des Eisschilds» an. Freuen Sie sich auf gewaltige Eislandschaften, spektakuläre Natur und unvergessliche Begegnungen, dort, wo Abenteuer und Faszination Arktis auf einzigartige Weise verschmelzen.