Reisebericht von Corinne Kaeslin
Unsere Schottlandreise beginnt mit einem Direktflug von Zürich nach Edinburgh. Nach der Übernahme unseres Mietwagens lassen wir die Stadt zunächst hinter uns und machen uns über die Queensferry Crossing auf den Weg nach Pitlochry, dem Tor zum Cairngorms National Park. Schon hier wird klar: Schottland lässt sich wunderbar auf eigene Faust entdecken. Mit dem Auto sind wir flexibel unterwegs und können dort anhalten, wo uns die Landschaft besonders gut gefällt.
Besonders die Wälder verzaubern uns mit ihrer mystischen Atmosphäre: Moosbedeckte Steine und Bäume lassen sie beinahe verwunschen erscheinen und verleihen der Landschaft etwas Märchenhaftes. Dazu kommt das wechselnde Wetter, das immer wieder neue Stimmungen entstehen lässt.
Als Hobbyfotografin begeistert mich besonders das weiche Herbstlicht, das Schottlands Landschaften im Oktober in eine ganz besondere Atmosphäre taucht. Es lässt die Farben intensiv leuchten und bringt die weiten Hügel, die Berge und die Wälder wunderbar zur Geltung. Immer wieder entdecke ich faszinierende Lichtstimmungen und Fotomotive, die ich mit meiner Kamera festhalten möchte.
Von Pitlochry führt unsere Route weiter durch den Cairngorms National Park nach Aviemore und schliesslich nach Inverness. Die Landschaft ist weitläufig, die Natur eindrücklich und die Fahrt selbst ein wichtiger Teil des Reiseerlebnisses. Statt von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu eilen, geniessen wir es, unterwegs innezuhalten und diese besonderen Eindrücke auf uns wirken zu lassen.
Ein Höhepunkt unserer Zeit in Inverness ist der Ausflug zum Chanonry Point auf der Black Isle. Die Landzunge ragt in den Moray Firth hinaus und ist für ihre Delfinbeobachtungen bekannt. Gleichzeitig liegt hier ein wunderschöner Golfplatz – eine Kombination aus Natur und Sport in einer ausgesprochen reizvollen Umgebung.
Anfangs entdecken wir die Delfine noch in einiger Entfernung, wo sie immer wieder aus dem Wasser springen. Mit steigender Flut kommen sie jedoch näher an die Küste. Schliesslich schwimmen sie dicht am Ufer vorbei, bevor sie wieder hinaus ins offene Meer ziehen.
Es ist faszinierend, diese Tiere in freier Natur zu beobachten. Dass sie sich uns im Verlauf des Besuchs immer mehr nähern, macht diesen Stopp zu einem Erlebnis, das uns besonders in Erinnerung bleibt.
Von Inverness aus unternehmen wir einen Tagesausflug in die Northern Highlands und entdecken die eindrückliche Landschaft der schottischen Nordwestküste. Unsere Route führt über Ullapool, einen malerischen Hafenort und wichtigen Ausgangspunkt für Fährverbindungen zu den Äusseren Hebriden, und noch ein Stück weiter nordwärts, bevor wir über Dornoch zurück nach Inverness fahren.
Dieser Teil Schottlands zeigt sich von seiner ursprünglichen Seite. Hier stehen die Landschaften im Mittelpunkt: die Weite, die Küsten, die Strassen durch abgelegene Gegenden und die immer wieder wechselnden Ausblicke. Gerade solche Strecken machen für mich den Reiz einer Mietwagenrundreise durch Schottland aus. Wir sind flexibel unterwegs und erleben schon auf dem Weg zum nächsten Ziel eine Vielzahl unterschiedlicher Eindrücke.
In Tain legen wir auf dem Rückweg nach Inverness einen Stopp bei der Glenmorangie Distillery ein. Auch ohne Führung ist der Besuch eine schöne Gelegenheit, mehr über die Welt des schottischen Whiskys zu erfahren – eine Tradition, die eng mit der Kultur des Landes verbunden ist.
Am nächsten Tag führt unsere Reise weiter entlang des Loch Ness. Mit Urquhart Castle wartet eine der bekannten historischen Sehenswürdigkeiten der Region auf uns. Die Ruinen am Ufer erinnern daran, wie eng die schottische Geschichte mit seinen Burgen und seiner oft rauen Landschaft verbunden ist.
Von dort geht es weiter Richtung Glenfinnan Viaduct. Vielen ist die eindrucksvolle Eisenbahnbrücke aus den Harry-Potter-Filmen bekannt. Vor Ort wird deutlich, warum gerade diese Landschaften so häufig als Filmkulissen dienen: Die markanten Formen der Berge, die weiten Täler und die besondere Atmosphäre wirken beinahe wie geschaffen für grosse Geschichten.
Unser Tagesziel ist Ballachulish, wo wir in einem kleinen Holz-Cottage mitten im Wald mit Blick auf den See übernachten. Ein wunderbarer Ort, um nach einem erlebnisreichen Tag zur Ruhe zu kommen.
Auf Glencoe freue ich mich besonders. Das Tal zählt zu den eindrücklichsten Landschaften der schottischen Highlands und ist für seine dramatischen Bergformationen bekannt. Zusammen mit dem nahe gelegenen Rannoch Moor, dessen weite Hochmoorlandschaft besonders ursprünglich und wild wirkt, gehört die Region zu den landschaftlichen Höhepunkten Schottlands.
Leider zeigt sich das Wetter ausgerechnet hier von seiner ungemütlichen Seite. Bereits am Vorabend ist es stürmisch, und auch am nächsten Morgen hängen die Wolken tief. So erleben wir diese eindrückliche Strecke nicht im erhofften Postkartenlicht. Statt klarer Berggipfel begleiten uns Regen, Wind, Wolken und wechselnde Sichtverhältnisse.
Doch auch das gehört zu einer Reise durch Schottland. Das Wetter lässt sich nicht planen, und gerade die Highlands sind für ihre raschen Wechsel bekannt. Manchmal muss man die Landschaft so nehmen, wie sie sich gerade zeigt. Unsere Erwartungen an Glencoe bleiben deshalb nicht weniger gross – vielleicht ist es sogar ein guter Grund, eines Tages wiederzukommen.
Nach den vielen Naturerlebnissen erreichen wir Glasgow – und die Stadt überrascht uns auf Anhieb positiv. Wir erleben sie als sauber und gepflegt und sind beeindruckt von den wunderschönen Gebäuden und der lebendigen Atmosphäre.
Besonders beeindruckt hat uns die University of Glasgow mit ihren berühmten Cloisters. Die eindrucksvollen Arkaden und die historische Architektur sind wunderschön. Auch die Necropolis mit ihren imposanten Grabmälern lohnt einen Besuch.
Eine weitere Entdeckung ist der Glasgow Mural Trail, der mit seinen grossflächigen Wandbildern Farbe und Geschichten in die Stadt bringt. Besonders berührt hat mich das Wandbild von Saint Mungo mit dem Vogel. Es erinnert an die Legenden rund um den Schutzpatron Glasgows und zeigt, wie viel Geschichte und Bedeutung in einem Kunstwerk stecken können. Solche unerwarteten Entdeckungen machen für mich den besonderen Reiz einer Städtereise aus.
Dazu kommen die vielen Restaurants und die vielseitigen Einkaufsmöglichkeiten. Wir fühlen uns in Glasgow rundum wohl und nehmen die Stadt als überraschend vielseitig und herzlich wahr.
Glasgow und Edinburgh verbindet übrigens eine gewisse Rivalität. Ein augenzwinkernder Spruch der Glasgower lautet, das Schönste an Edinburgh sei die Zugverbindung nach Glasgow. Ob man dem zustimmt, bleibt jedem selbst überlassen – wir finden jedenfalls, dass beide Städte ihren ganz eigenen Charme haben und auf unterschiedliche Weise begeistern.
Edinburgh – Geschichte, Charme und schottische Lebensart
Edinburgh unterscheidet sich deutlich von Glasgow. Die schottische Hauptstadt versprüht ihren eigenen Charme. Die Royal Mile, das imposante Edinburgh Castle, die Dudelsackspieler und die vielen Souvenirläden prägen das Bild der Altstadt. Ein schönes historisches Gebäude scheint auf das nächste zu folgen.
Besonders gefallen mir die kleinen Cafés und Buchläden, die sich zwischen den historischen Fassaden verstecken. Sie laden dazu ein, kurz innezuhalten, einen Kaffee zu trinken und die besondere Atmosphäre der Stadt auf sich wirken zu lassen.
Natürlich ist Edinburgh sehr beliebt, und das merkt man. An den bekannten Sehenswürdigkeiten sind viele Menschen unterwegs, und manchmal wird es schwierig, den perfekten Fotoblick zu erwischen. Trotzdem verliert die Stadt ihren Reiz nicht. Gerade das Zusammenspiel aus Geschichte, Architektur und lebendigem Stadtleben macht Edinburgh so besonders.
Für mich sind Glasgow und Edinburgh zwei Städte, die man nicht gegeneinander ausspielen muss. Die eine überrascht mit ihrer urbanen Vielfalt und ihrer Architektur, die andere begeistert mit historischem Flair und ihrer unverwechselbaren Atmosphäre. Beide sind einen Besuch wert – und beide zeigen eine andere Seite Schottlands.
Zwischen den grossen Sehenswürdigkeiten bleibt mir in Edinburgh besonders die Geschichte von Greyfriars Bobby in Erinnerung. Der Legende nach soll der kleine Hund nach dem Tod seines Herrchens über 14 Jahre hinweg an dessen Grab auf dem Greyfriars Kirkyard gewacht haben.
Die Geschichte von Treue und Verbundenheit berührt Menschen bis heute.
Ich finde es schön, dass es auf einer Reise nicht immer nur die grossen Bauwerke oder berühmten Aussichtspunkte sind, die in Erinnerung bleiben. Manchmal ist es eine kleine Geschichte, die einen Ort besonders macht und einem noch lange nach der Heimkehr im Gedächtnis bleibt.
Wenn ich auf unsere Reise zurückblicke, ist es vor allem die Vielfalt, die Schottland für mich so besonders macht: eindrückliche Landschaften, Delfine in freier Natur, historische Orte und zwei Städte mit ganz eigenem Charakter.
Eine Mietwagenrundreise verbindet all diese Facetten und lässt Raum für spontane Stopps und persönliche Entdeckungen. Denn oft sind es gerade die kleinen Momente und die Landschaften unterwegs, die eine Reise unvergesslich machen.
Schottland hat uns begeistert – und trotz des wechselhaften Wetters viele schöne Erinnerungen hinterlassen. Es gibt noch so viel zu entdecken!