Reisebericht von Claudia Leimgruber Müller
26. - 31. Oktober 2026
Wohin zieht es eine Reiseleiterin, wenn sie selbst einmal Ferien hat? Gerne an einen Ort, an dem es noch etwas zu entdecken gibt und wo ganz nebenbei bereits Ideen für eine nächste Gruppenreise entstehen dürfen. Dieses Mal führte uns die Reise nach Porto. Eine Stadt, die uns mit ihrer Vielseitigkeit, ihrer Herzlichkeit und ihrem besonderen Licht vom ersten Tag an begeistert hat.
Mit Swiss flogen wir bequem von Zürich nach Porto. Die Entscheidung für den Morgenflug zahlte sich aus: Nach dem Zimmerbezug in unserem Hotel mit Blick auf die berühmte Brücke Dom Luís I lag noch ein ganzer Nachmittag vor uns. Perfekt, um auf der gegenüberliegenden Flussseite in Vila Nova de Gaia anzukommen.
Mit seiner Seilbahn, der lebendigen Uferpromenade und den Portweinlagerhäusern bekannter Namen wie Graham’s und Sandeman machte uns Gaia den Einstieg leicht. Immer wieder schweifte der Blick über den Douro zur Ribeira. Die farbigen, dicht aneinandergeschmiegten Häuserfassaden auf der Porto-Seite weckten grosse Vorfreude auf die kommenden Tage.
Pünktlich zum Sonnenuntergang wechselten wir die Perspektive und unternahmen die klassische Sechs-Brücken-Fahrt. Vom Wasser aus wird deutlich, wie sehr die Brücken zum Gesicht dieser Stadt gehören. Allen voran die markante, doppelstöckige Ponte Dom Luís I mit ihrem mächtigen Eisenbogen. Die filigrane ehemalige Eisenbahnbrücke Maria Pia stammt aus dem Hause Eiffel. Mit den Brücken Infante Dom Henrique, São João, Freixo und Arrábida spannt sich auf dieser kurzen Strecke ein eindrücklicher Bogen durch verschiedene Epochen der Ingenieurskunst.
Als sich zum Ende der Fahrt der Himmel Richtung Atlantik in warme Farben tauchte und auf der anderen Seite der Mond aufging, wussten wir: Porto hat etwas Magisches.
Am nächsten Morgen wollten wir die Stadt zu Fuss kennenlernen. Unser Rundgang begann bei der Kathedrale Sé, hoch über dem Douro und mitten im historischen Ursprung Portos. Von hier führten uns die Wege zum Bahnhof São Bento. Wer dort nur einen Zug erreichen möchte, sollte etwas zusätzliche Zeit einplanen. Die Eingangshalle mit ihren rund 20’000 bemalten Kacheln, den portugiesischen Azulejos, ist ein Kunstwerk für sich. Wir hätten noch lange stehen bleiben und die vielen dargestellten Geschichten betrachten können.
Dass Porto auch grosszügig und repräsentativ kann, zeigt sich auf der Avenida dos Aliados. Mit dem Rathaus im Blick und den prachtvollen Fassaden zu beiden Seiten wirkt die Stadt hier ganz anders als in den schmalen Gassen der Altstadt.
Und dann eine Empfehlung, die man von einer Reiseleiterin vielleicht nicht unbedingt erwartet: In Porto lohnt sich sogar ein Blick in einen McDonald’s. Im ehemaligen Café Imperial sorgen grossflächige Glasmalereien und imposante Kronleuchter für ein Ambiente, das man mit einem Schnellrestaurant kaum in Verbindung bringen würde.
Ein Stadtrundgang macht bekanntlich hungrig. Zum Glück ist die nächste Gelegenheit für ein Pastel de Nata in Porto selten weit entfernt. Knuspriger Blätterteig, feine Cremefüllung, dazu ein Kaffee, und schon waren wir bereit für die nächsten Entdeckungen. Dass es während dieser Reise nicht bei einem einzigen dieser kleinen Köstlichkeiten bleiben würde, war schnell klar.
Zum süssen Genuss gesellte sich am Abend der Portwein. In der Kellerei Taylor’s erhielten wir auf kurzweilige und anschauliche Weise einen Einblick in die Geschichte, das Anbaugebiet und die Herstellung dieses besonderen Weins. Begriffe wie Ruby und Tawny bekamen spätestens bei der anschliessenden Degustation ihren ganz eigenen Geschmack. Ein schöner Abschluss unseres ersten ausgiebigen Stadttages.
Am nächsten Tag zog es uns dorthin, wo die Trauben wachsen. Wir verliessen Porto und fuhren landeinwärts ins Douro-Tal nach Pinhão. Schon unterwegs änderte sich die Landschaft: Die Stadt wich den Hügeln, an deren Hängen sich die Rebterrassen entlangziehen. Dazwischen immer wieder der Douro, der sich seinen Weg durch diese eindrückliche Weinlandschaft bahnt.
Bei perfektem Herbstwetter unternahmen wir eine Bootsfahrt. Vom Wasser aus glitten die terrassierten Hänge langsam an uns vorbei, die Reben leuchteten in herbstlichen Farben, und wir genossen es, einfach einmal nur zu schauen.
Dass das Douro-Tal weit mehr als Portwein zu bieten hat, zeigte sich anschliessend beim Mittagessen auf einer Quinta. Traditionelle Köstlichkeiten wurden von den passenden Weinen begleitet. Hier kamen Landschaft und Genuss auf besonders schöne Weise zusammen. Für mich einer jener Momente, in denen im Kopf bereits ein kleines Sternchen für eine zukünftige Gruppenreise gesetzt wird.
Doch Porto kann auch ganz anders. Bei unserem Besuch der Sardinenfabrik Pinhais in Matosinhos warfen wir einen Blick hinter die Kulissen einer portugiesischen Tradition. Eindrücklich zu sehen, wie viel Handarbeit hinter einer einzigen Dose steckt. Zum Abschluss durften wir sogar selbst eine Sardinendose in Papier verpacken und als Souvenir mit nach Hause nehmen. Eine Erinnerung, die hoffentlich noch etwas länger hält als die Pastéis de Nata!
Nebst der historischen Ribeira mit ihren farbigen Fassaden bietet Porto auch für Liebhaber moderner Architektur spannende Entdeckungen. Die markante Casa da Música von Rem Koolhaas bildet einen reizvollen Gegensatz zur Altstadt. Ebenso das Museum für zeitgenössische Kunst von Serralves, entworfen von Álvaro Siza. Der renommierte Architekt stammt aus dem benachbarten Matosinhos und ist eng mit Porto und seiner Architekturszene verbunden.
Und weil der Douro hier in den Atlantik mündet, gehört für mich auch das Meer zu einem Aufenthalt in Porto. Ein Nachmittag an der Küste bringt nochmals eine ganz andere Stimmung in die Reise: Weite, salzige Luft und das unermüdliche Rauschen der Wellen.
Wer während der Badesaison unterwegs ist, findet in den Piscinas das Marés in Leça da Palmeira einen besonderen Ort zum Schwimmen. Die von Álvaro Siza entworfenen Meerwasserbecken fügen sich zwischen die Felsen am Atlantik ein, auch hier begegnen sich Architektur und Landschaft.
Zum Abschluss unserer Reise zogen wir noch etwas weiter Richtung Norden und verbrachten eine letzte Nacht am Meer. Menschenleere Strände, lange Spaziergänge, das Rauschen der Brandung und ein wunderschöner Sonnenuntergang liessen die vielen Eindrücke der vergangenen Tage langsam nachklingen.
Überhaupt: Porto und die Sonnenuntergänge sind eine Liebesgeschichte für sich. Jeden Abend schien der Himmel nochmals zeigen zu wollen, weshalb wir unbedingt wiederkommen sollten.
Die Stadt und ihre Umgebung haben mich mit ihrer Vielfalt begeistert. Geschichte und moderne Architektur, lebendige Gassen und stille Rebberge, Portwein und Atlantik, all dies lässt sich wunderbar miteinander verbinden. Und selbstverständlich kam auch das leibliche Wohl nie zu kurz.
So wurde aus einer privaten Auszeit ganz nebenbei die Vorfreude auf eine neue Hauri-Kleingruppenreise. Ich freue mich schon heute darauf, diese Region im nächsten Herbst gemeinsam mit unseren Gästen zu entdecken.
Freuen Sie sich auf «Porto – Herbstleuchten zwischen Douro und Atlantik».